Die neue Macht der Online Medien!?

April 15, 2009

Cyber Dissidents

Filed under: Uncategorized — Schlagwörter: , , — silviawitzig @ 8:17 am

Citizen Journalism, wie ich ihn im letzten Post beschrieben habe, wird in einer demokratischen Umgebung praktiziert. Bürgerjournalismus spielt aber gerade in Ländern, in denen die freie Meinungsäusserung keine Selbstverständlichkeit ist, eine wichtige Rolle. Blogs können dort Funktionen übernehmen, an deren Erfüllung die staatlich kontrollierten Printmedien gehindert werden (Lau, 2005, zit. in: Seeber, 2008, S. 35).
Blogger, die sich kritisch über eine Regierung oder ein Regime äussern, werden auch Cyber Dissidents genannt. Dissident steht für Andersdenkende oder auch für Regimekritiker. Blogs von Cyber Dissidents und Bürgerjournalisten sind in Ländern wie China, Iran, Irak oder Ägypten wichtige Informationsquellen. In diesen Ländern kommt es auch immer wieder zu Verhaftungen von Bloggern, da die totalitären Staaten den Einfluss von systemkritischen Bloggern fürchten (Seeber, 2008, S. 36).

Die Organisation Reporter ohne Grenzen (Reporters sans frontières) macht auf die Situation in sogenannt internetfeindlichen Ländern aufmerksam. Sie führt auch ein „Press Freedom Barometer“ auf dem unter anderen gefangengenommenen Cyber Dissidents aufgeführt sind.

Berichte von Bloggern, die wegen ihrer Äusserungen verhaftet wurden, gelangen auch immer wieder in die Massenmedien. So zum Beispiel in der NZZ vom 11.02.09 und vom 16.02.09. In diesen Artikeln wird über den Fall des Bloggers Philip Rizk und die Situation von Bloggern in Ägypten berichtet. Rizk wurde mit anderen Regierungskritikern an einer Demonstration verhaftet. Im Vergleich zu anderen kam er jedoch dank seiner deutsch-ägyptischen Doppelbürgerschaft und seiner Vernetzung in der Blogosphäre nach wenigen Tagen wieder frei. Ein anderer regierungskritischer Blogger befindet sich seit 2006 in Haft (NZZ, 2009). Mehr über die Situtation der Blogger in Ägypten findet sich auch in einem Artikel von Reporter ohne Grenzen.

Aufsehen erregte auch der Fall des südkoreanischen Bloggers „Minerva“. Laut der NZZ vom 13.02.09 wurde der anonym bleibende Blogger wegen Verbreitung falscher Gerüchte, die die Notenbank zu einer milliardenschweren Rettungsaktion gezwungen haben, verhaftet. Darauf kam es in Südkorea zu einer heftigen Debatte über die Meinungsfreiheit (NZZ, 2009).

Citizen Journalists oder Cyber Dissidents können in diesen Ländern der Zensur der Massenmedien entgegenwirken und werden dadurch zu wichtigen Informationskanälen. Allerdings wird ihr Einfluss und ihre Macht von den Regierungen so sehr gefürchtet, dass es immer wieder zu Verhaftungen kommt.

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April 14, 2009

Citizen Journalism

Filed under: Uncategorized — Schlagwörter: , , , , , — silviawitzig @ 8:24 am

In den letzten Posts bin ich darauf eingegangen, wie Themen aus der Blogosphäre von den Massenmedien aufgegriffen werden. Hier möchte ich aber noch einmal zum Ursprung solcher Themen kommen. Beispiele wie das von Jamba oder Trent Lott nahmen ihren Anfang in Blogs, die von einzelnen Personen, unter anderem von Citizen Journalists, geschrieben werden.

Bürgerjournalisten oder Citizen Journalists nutzen verschiedene Medien, um ihre Nachrichten zu verbreiten. Neben Blogs spielen dabei auch vermehrt die traditionellen Massenmedien eine Rolle. Verschiedene Zeitungen und TV-Stationen rufen ihre Leser dazu auf Fotos, Videos oder Text einzusenden oder haben sogar eigene Plattformen für Beiträge von Lesern. Ein Beispiel dafür ist die Plattform iReport von CNN.
Die Beteiligung von Bürgern an Massenmedien ist jedoch kein neues Phänomen, denn „ Schon im 19. Jahrhundert war das ein höchst erfolgreiches Konzept im Lokaljournalismus“ (Kopp/Schönhagen, 2007, S. 1). Citizen Journalism in Blogs ist natürlich eine neuere Entwicklung, die durch die Möglichkeiten des Web 2.0 stark gefördert wurde. Vor dem 11. September 2001 stellten Blogs noch ein reines WWW-Phänomen dar und wurden von den Massenmedien nur wenig beachtet. Nach den Terroranschlägen stellte sich heraus, dass über Blogs schneller, persönlicher und direkter berichtet werden konnte (Fischer, 2006, S. 166). In der Folge begann die Anzahl an Weblogs stark zu steigen. Auch der Krieg im Irak (2003) und der Tsunami (2004) förderten das Entstehen von weiteren Blogs im Bereich Citizen Journalism.

Wie ich im letzten Post aufgezeigt habe, besteht heute ein enges Verhältnis zwischen den Massenmedien und den Bürgerjournalisten. Die Medien nehmen Themen aus der Blogosphäre auf und Journalisten nutzen Blogs als Quellen.
Die Berichterstattung durch Bürgerjournalisten oder Blogger wird aber, unter anderem von Seiten der Medien, auch kritisiert. Bemängelt wird unter anderem, dass
Grundprinzipien des journalistischen Arbeitens, der Recherche, der Qualitätsstandards und der Trennung der Darstellungsformen nicht erfüllt werden (Büffel, 2006).
Auch die Subjektivität der Berichterstattung von Citizen Journalists wird kritisiert.
Zudem ist es schwierig, die Authentizität der Berichte zu klären und die Anonymität gewisser Blogger, sowie Falschmeldungen fördern das Misstrauen (Eberwein, 2008, S. 20).
Charakteristisch für die Blogosphäre und damit auch für Citizen Journalism in Blogs ist, dass Texte und Berichte unüberarbeitet und unkontrolliert veröffentlicht werden können. Allerdings findet nach der Veröffentlichung eine Kontrolle von Fakten und Informationen durch die Leser statt (Fischer, 2006, S. 197). Die Leser kommentieren Blog-Posts und ergänzen sie mit ihrem eigenen Wissen. Dadurch kann die Qualität dieser Artikel verbessert werden.

Ob man nun eher den Berichten der Massenmedien, die gegen Falschmeldungen und Subjektivität auch nicht immun sind, oder den Berichten von Citizen Journalists vertrauen will, muss jeder Leser für sich selbst entscheiden. Es ist wohl in beiden Fällen angebracht, die Berichterstattung kritisch zu hinterfragen.

März 7, 2009

At the grass-roots level

Filed under: Uncategorized — Schlagwörter: , — silviawitzig @ 3:57 pm

Der für diesen Blog vielleicht doch etwas seltsame Titel benötigt wohl eine eingehendere Erklärung. Bei meinen Recherchen bin ich schon bald auf das Phänomen des Citizen Journalism oder auch Grassroot Journalism gestossen. Auf Deutsch wird diese Art des Journalismus auch als Graswurzel-, Bürger- oder partizipativer Journalismus bezeichnet.

An der Wurzel dieses Phänomens sind Bürger, die Nachrichten und Informationen über ihre eigenen Medien verbreiten. Eine genauere Definition von Bowman/Willis (2003, S. 9): „The act of a citizen, or group of citizens, playing an active role in the process of collecting, reporting, analyzing and disseminating news and information. The intent of this participation is to provide independent, reliable, accurate, wide-ranging and relevant information that a democracy requires.“
Mit den verschiedenen Begriffen, die im Zusammenhang mit Bürger-Journalismus auftauchen, beschäftigt sich auch der Blog Readers-Edition.

Durch die technischen Möglichkeiten des Web 2.0 ist es heute für Citizen Journalists sehr einfach geworden, ihre Nachrichten und Meinungen zu veröffentlichen. Nebst Blogs, die von einzelnen bis zu mehreren Tausend Personen geschrieben werden, gibt es auch Fotojournalisten oder Videojournalisten, die als Citizen Journalists aktiv sind:

OhmyNews publiziert seit 2000 Artikel von südkoreanischen Citizen Journalists. Seit vier Jahren gibt es auch eine internationale, englischsprachige Plattform.

Die Autoren von GlobalVoices veröffentlichen Beiträge und Nachrichten mit dem Fokus auf Entwicklungsländer und Geschehnisse, die von den traditionellen Medien vernachlässigt werden. Die Posts werden von Freiwilligen in verschiedene Sprachen übersetzt.

Auf CitizenJoe berichten Citizen Journalists mit dem Motto „hey, it’s your democracy too“ über die nationale US-Politk.

CitizenKate verfolgte die Kampagnen der Präsidentschaftskandidaten in den USA und berichtete darüber auf ihrer Homepage in einem Videoblog.

Die Citizen Economists berichten und kommentieren aktuelle Geschehnisse aus der Wirtschaft.

NoComment News ist eine Flicker-Gruppe mit dem Ziel „to show more people what’s really happening around the world.“

Haben diese Bürger-Journalisten, Personen wie du und ich, nun Macht?

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